Konflikte, Aggressionen und Gewalt bestimmen immer häufiger die Schlagzeilen unserer Zeit. Umso wichtiger ist es, Kinder frühzeitig darin zu stärken, sich selbstbewusst, respektvoll und gewaltfrei in unserer Gesellschaft zu bewegen. Genau hier setzt die pädagogische Arbeit der Oberschule Cunewalde an. Einen besonderen und äußerst praxisnahen Projekttag erlebte kürzlich die Klasse 6a: Franko und Robert von der EWTO-Schule aus Ebersbach-Neugersdorf waren zu Gast und arbeiteten mit den Schülerinnen und Schülern intensiv zum Thema „Grenzen setzen – Grenzen bewahren – Grenzen verteidigen“.
Mit ihrem lockeren, zugleich klaren und bestimmten Auftreten fanden die beiden Trainer schnell Zugang zu den Kindern. In einer Atmosphäre von Vertrauen und Respekt lernten die Schülerinnen und Schüler, wie wichtig Körpersprache, Haltung und Stimme im sozialen Miteinander sind. Die EWTO arbeitet dabei mit einem transparenten Sicherheitssystem, das bewusst an etwas anknüpft, das Kinder gut kennen: klare Kriterien – vergleichbar mit Noten – an denen eigenes Handeln überprüft und weiterentwickelt werden kann.
Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie wählt ein Täter sein Opfer aus?
Gemeinsam wurden drei entscheidende Kriterien besprochen – und vor allem, wie man diesen bewusst entgegenwirken kann. Ziel war nicht die körperliche Auseinandersetzung, sondern Prävention: Abstand halten, klare Grenzen setzen, laut werden, Hilfe einfordern und einen Angriff frühzeitig verbal stoppen. In praktischen Übungen lernten die Kinder, mit fester Körperhaltung und deutlicher Stimme aufzutreten. Am Ende des Tages konnten alle Schülerinnen und Schüler selbstbewusst und klar sagen:
„HALT! STOPP! KOMM NICHT NÄHER! HAU AB!“
Besonders erfreulich war, dass der Projekttag bei vielen Kindern noch weiter nachwirkte. Im Anschluss äußerten mehrere Schülerinnen und Schüler den Wunsch, sich auch künftig in diesem sozialen Bereich zu engagieren. So entstand die Idee, an der Schule Streitschlichterinnen und Streitschlichter auszubilden und aktiv einzusetzen. Diese Impulse greifen wir gern auf – und wer weiß, wohin dieser Weg noch führt. Vielleicht haben wir Franko und Robert nicht zum letzten Mal an unserer Schule begrüßt. Ein Projekttag, der eindrucksvoll zeigt: Schule ist mehr als Wissensvermittlung. Sie stärkt Persönlichkeiten, fördert Verantwortung und gibt jungen Menschen Werkzeuge an die Hand, um sicher, respektvoll und selbstbewusst ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden.
Stefanie Mühlbach, Klassenleiterin 6a
